Die oberflächliche Venenentzündung – gefährlich oder harmlos ?


Venenentzündungen sind eine relativ häufige Begleiterscheinung von Krampfadern. Fast die Hälfte der Patienten mit fortgeschrittenem Krampfaderleiden haben bereits ein- oder mehrmals Venenentzündungen durchgemacht. Auch bei leichteren Formen von Venenleiden schätzen neuere Statistiken das Auftreten von Venenentzündungen als Begleitsymptom in einer Häufigkeit von ca. 20 Prozent. Dr. Eva Haas, Chefärztin der Schloßklinik Abtsee, Fachklinik für Venenerkrankungen, Laufen, erklärt den Lesern des Venen-Spiegels die verschiedenen Formen der Venenentzündungen und was man dagegen tun kann.

  Die Venenentzündung, im Fachterminus Thrombophlebitis genannt, ist eine nicht infektiöse, meist örtlich begrenzte Entzündung oberflächlicher Venen. Sie ist in der Regel mit einem partiellen Verschluss der Vene durch ein Blutgerinnsel verbunden. Obwohl es sich also auch bei der oberflächlichen Venenentzündung meist um eine Thrombose handelt, ist das Krankheitsbild klar von der so genannten tiefen Venenthrombose abzugrenzen. Die tiefe Venenthrombose betrifft ausschließlich die großen innenliegenden Hauptvenen. Es handelt sich bei der tiefen Venenthrombose um ein Krankheitsbild mit völlig anderer Therapie und Bedeutung.

  Bei der oberflächlichen Venenentzündung bzw. Oberflächenthrombose sind klassische entzündliche Veränderungen äußerlich sichtbar: Rötung, Schwellung, Überwärmung und Druckschmerz, dabei jedoch kein Fieber. Die tiefe Venenthrombose ist dagegen äußerlich oft nicht erkennbar.

  Die oberflächliche Venenthrombose oder Venenentzündung geht oft mit stärkeren Schmerzen einher als die tiefe Venenthrombose. Im Hinblick auf Verlaufsformen, Komplikationsmöglichkeiten und Therapieentscheidungen muß man unterscheiden zwischen Venenentzündungen, d. h. Thrombophlebitiden  in Krampfadern und Venenentzündungen oder Oberflächenthrombosen in gesunden Venen.

  Während bei Venenentzündungen in Krampfadern die Grunderkrankung verantwortlich für die Entzündung ist, so muß man bei thrombotischen oder entzündlichen Veränderungen in gesunden Venen nach anderen Ursachen forschen. Bei Oberflächenthrombosen ohne Vorliegen von Krampfadern kommen Gerinnungsstörungen (d. h. Thromboseneigungen durch Veränderungen der Blutzusammensetzung), schwere Allgemeinerkrankungen und Tumorerkrankungen in Frage. Aber auch äußere Ursachen wie z. B. nach Venenkatheter, Kompression von außen sowie Prellungen können eine Ursache sein.

Eine Venenentzündung außerhalb eines Krampfaderleidens tritt am ehesten im Zusammenhang mit entzündlichen oder rheumatischen Systemerkrankungen auf. Häufigste Ursache sind allgemeine Gefäßentzündungen, sogenannte Vaskulitiden. In beiden Fällen lassen sich durch Blutuntersuchungen die wichtigsten Ursachen abgrenzen.

Die häufigste Ursache einer Venenentzündung ist jedoch im Zusammenhang mit Krampfadern zu sehen. Hier gilt die Venenentzündung im allgemeinen als häufig und ungefährlich, wobei häufig zwar richtig, ungefährlich jedoch nicht immer richtig ist.

Ursache für die sogenannte Entzündung ist ein Blutgerinnsel in einer Oberflächenvene. Zu diesem Blutgerinnsel kommt es durch den verzögerten Bluttransport in einer degenerierten Vene, deren Klappen defekt sind und deren Transportgeschwindigkeit in Folge dessen herabgesetzt ist. Überall da, wo Blut nicht schnell und glatt genug transportiert wird, kann es zu Gerinnselbildungen kommen.

 

  Wann ist eine Venenentzündung gefährlich ?

Wird aus einem einmal entstandenen Blutgerinnsel in einer Oberflächenvene ein großes Blutgerinnsel und wächst dieses weiter in die sogenannten Stammvenen hinein, so besteht die Gefahr des Einwachsens des Gerinnsels von der Oberfläche ins tiefe Venensystem. Verbindungen zwischen dem oberflächlichen und dem tiefen Venensystem gibt es nahezu überall am Bein. Gefährliche Stellen für ein Einwachsen ins tiefe Venensystem sind die großen Verbindungen zwischen den beiden Systemen z. B. in der Leiste und der Kniekehle.

Wächst ein Thrombus vom oberflächlichen ins tiefe Venensystem ein, so liegt eine tiefe Venenthrombose vor. Die tiefe Venenthrombose ist aufgrund ihres langen Krankheitsverlaufes und ihrer langen Therapiebedürftigkeit und dem Lungenembolierisiko ein ernst zu nehmendes Krankheitsbild. Zu Lungenembolien kann es aber auch bei größeren Oberflächenvenenentzündungen kommen. Von daher ist also auch eine ausgedehnte Venenentzündung der Oberfläche unter Beteiligung  der sogenannten Stammvenen keinesfalls ungefährlich. Liegt die Venenentzündung, was sicherlich der häufigere Fall ist, jedoch im Bereich von Seitenastkrampfadern, so ist sie zwar schmerzhaft und unangenehm, aber harmlos.

Jede Venenentzündung sollte von einem Venenfacharzt (Phlebologen) angesehen und abgeklärt werden, um zu unterscheiden, ob es sich um eine harmlose oder um eine gefährliche Venenentzündung handelt. Hilfreich bei der Abklärung ist eine Ultraschalluntersuchung, hier vor allem die Duplexuntersuchung. Im Ultraschall kann man sehr gut unterscheiden, ob wichtige oder unwichtige Venen von der Entzündung bzw. Thrombose betroffen sind. Auch die evtl. Beteiligung von tiefen Venen kann im Ultraschall ausgeschlossen oder bestätigt werden. Da die äusserlich erkennbare Thrombose nicht immer mit der Ausdehnung in den Venen übereinstimmt, kann der eigentliche Umfang der Thrombose im Oberflächenvenensystem nur sonographisch festgelegt werden. Die äusserlich sichtbare Hautreaktion folgt ja der Thrombose im Blutgefäß immer erst nach. Alarmierend muß es für den Patienten sein, wenn die bereits äusserlich sichtbare Veränderung im Bereich von Oberschenkel, Leiste oder Kniekehle liegt.

Die Grundpfeiler der Behandlung einer oberflächlichen Venenentzündung bzw. Oberflächenthrombose ist die Kompressionsbehandlung. Durch die Kompression mittels eines Kompressionsstrumpfes oder Kompressionsverbandes kommt es sehr rasch zur Schmerzlinderung, zur verbesserten Transportfunktion der Venen, somit zur Begrenzung der Ausdehnung der Thrombose und zur Verminderung des Lungenembolierisikos. Gleichzeitig mit der Kompression sollte der betroffene Patient therapeutisch mobilisiert werden, d. h. so viel wie möglich gehen. Auch das Gehen beschleunigt den Blutfluss in den Venen und verhindert ein weiteres Thrombosewachstum und fördert den Thromboseabbau.

Unterstützend dazu können blutverdünnende Spritzen, s. g. niedermolekulare Heparine gegeben werden. Betrifft die Venenentzündung jedoch bereits die Stammvenen oder liegt sie kurz vor den Verbindungen ins tiefe Venensystem, so sollte umgehend eine Operation mit Sanierung des äusseren Krampfaderleidens und Trennung des Oberflächenvenensystems vom tiefen Venensystem an den strategisch bedeutenden Stellen erfolgen. Eine rein medikamentöse Therapie bringt hier keinerlei Vorteile mehr, sondern verlängert nur die Erkrankung und die Behandlungszeit.

Das häufigste Risiko für das Auftreten von Venenentzündungen ist das Vorliegen von Krampfadern. Deshalb sollten klinisch relevante Krampfaderleiden operativ saniert werden. Kommt eine Operation nicht in Frage, so kann das regelmäßige Tragen eines Kompressionsstrumpfes tagsüber ebenfalls das Auftreten von Venenentzündungen verhindern.

 

  Fazit
 
Eine Venenentzündung ist nicht immer harmlos, sie kann zu Thrombosen und Embolien führen, kann auch Ausdruck einer anderen ernsten Erkrankung sein.

Deshalb: Bei Verdacht auf Vorliegen einer Venenentzündung umgehend Kompressionsstrumpf tragen und einen Venenfacharzt aufsuchen.